• Sarah Rabong

Wirtschaftskrise hat die Ernährungsunsicherheit in den USA verdoppelt

Die COVID-19-Pandemie hat neben der Gesundheitskrise auch eine wirtschaftliche Krise in den USA ausgelöst. Diese hat dazu geführt, dass sich die Anzahl der Haushalte, die ernährungsunsicher sind, Stand Juni 2020, verdoppelt hat. Der Hauptgrund ist die gestiegene Arbeitslosigkeit im Land. Diese Einschätzung basiert unter anderem auf den Daten der Census’s Household Pulse Survey (vgl. Schanzenbach/Pitts 2020, S.1).


Essensausgaben, sogenannte „food banks“, sind aber auch abseits der Pandemie ein wichtiger Teil des sozialen Sicherheitsnetzes in den USA. Im Jahr 2019 mussten 10,5% der Haushalte in den USA als ernährungsunsicher eingestuft werden, wobei zwischen geringer und sehr geringer (betraf 2019 5,3 Millionen Haushalte) Ernährungssicherheit unterschieden wird. „Ernährungsunsicherheit“ wird vom United States Department of Agriculture als Unsicherheit oder Unvermögen mangels finanzieller oder anderer Ressourcen von Haushalten, genügend Essen für alle Familienmitglieder zur Verfügung zu stellen, definiert. Das Problem betrifft vor allem Schwarze, aber auch Hispanics sind deutlich häufiger betroffen als Weiße. Eine weitere Risikogruppe sind Alleinerziehende. In 51% der ernährungsunsicheren Haushalten sind die erwachsenen Mitglieder des Haushaltes Vollzeit beschäftigt (vgl. Economic Research Service, United States Department of Agriculture 2020).


Dies zeigt, dass Arbeitslosigkeit zwar ein wichtiger Treiber für Ernährungsunsicherheit ist, aber bei weitem nicht der einzige Faktor. In den USA entwickeln sich „food banks“ immer mehr zu einer langfristigen Stütze armer Haushalte und sind nicht mehr nur eine Nothilfe, die über einen kurzen Zeitraum hinweg in Anspruch genommen wird. „Food banks“ sind daher nicht nur durch die Abhängigkeit von Spenden und Volontärsarbeit mit dem zivilen, sondern auch mit dem privaten und staatlichen Sektor verbunden. In den USA hat sich eine Industrie rund um „food banks“ entwickelt, die dabei hilft die logistische Herausforderung, vor der „food banks“ stehen, zu bewältigen. Gleichzeitig kooperieren „food banks“ auch mit staatlichen Behörden, von denen sie teilweise finanziert werden, mit denen sie aber auch in einem Spannungsverhältnis stehen, da sie politisches Handeln vom Staat einfordern (vgl. Mook/Murdock/Gundersen 2020, S. 836-838).




Literaturverzeichnis


Economic Research Service, United States Department of Agriculture (2020): Food Security in the US; 9.9.2020. Aufgerufen am 17.12.2020 von https://www.ers.usda.gov/topics/food-nutrition-assistance/food-security-in-the-us/interactive-charts-and-highlights

Mook, Laurie/ Murdock, Alex/ Gundersen, Craig (2020): Food Banking and Food Insecurity in High-Income Countries; In: Voluntas 31, S. 833-840.

Schanzenbach, Diane/ Pitts‚ Abigail (2020): How much has food insecurity risen? Evidence from the Census Household Pulse Survey; Institute for Policy Research Rapid Research Report, 1.6.2020. Aufgerufen am 17.12.2020 von https://www.ipr.northwestern.edu/documents/reports/ipr-rapid-research-reports-pulse-hh-data-1-june-2020.pdf

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