• Valentin Zanon

Weniger als 2 Prozent der Stimmen gingen an Dritte PräsidentschaftskandidatInnen

Nur insgesamt 2,7 Millionen Wahlberechtigte machten 2020 ihr Kreuz bei Unabhängigen oder Drittparteien. Die meisten dieser Stimmen gingen an Jo Jorgensen von der Libertarian Party, die allerdings mit diesem Ergebnis trotzdem keine Wahlleute für sich gewinnen konnte. Eine realistische Perspektive auf politische Macht zur Mitgestaltung ist also nur auf einem Ticket der Demokratischen oder der Republikanischen Partei gegeben. In den USA herrscht bei den allermeisten Wahlvorgängen das Prinzip der Mehrheitswahl – die Person mit den (absolut oder relativ) meisten Stimmen gewinnt also den Sitz im Repräsentantenhaus, im Senat oder eben die Präsidentschaft. Das Mehrheitswahlrecht bevorzugt somit klarerweise große Parteien mit Aussicht auf Platz eins, was eine Entwicklung hin zu einem Zweiparteiensystem in Gang setzt (vgl. Weinmann 2020, 411).


Der Begriff der Partei wird in den USA allerdings anders definiert als in europäischen parlamentarischen Demokratien. Bohne und Lütjen sprechen von US-amerikanischen Parteien als „offene Netzwerke kooperierender Akteure, die nicht durch starre Grenzziehungen zwischen ‚innen und ‚außen‘ bestimmt werden“ (2020, 399). Demnach gibt es beispielsweise keine von der Parteispitze einforderbare Fraktionsdisziplin im Kongress oder das Abschieben auf aussichtslose Listenplätze allzu oft ausscherender Abgeordneter. Kongressmitglieder stimmen vor allem im Hinblick auf die Interessen ihres Wahlkreises ab, in dem sie sich alle paar Jahre wieder zur Wahl stellen und ihr Stimmverhalten verantworten müssen (vgl. Lammert et al. 2020, 7).


Was für parlamentarisch geprägte politisch Denkende also wie eine Oligarchie der zwei stärksten Strömungen klingt, hat doch einen gewissen Grad an Pluralität inne. Zwar nicht in der Parteienlandschaft, dafür aber innerhalb dieser beiden großen Strömungen. In einem politischen System wie in Österreich würde es wohl eher nicht zwei ideologisch so weit entfernte Kandidaten wie Joe Biden und Bernie Sanders geben, die auf dem Ticket derselben Partei antreten.





Literaturverzeichnis


Bohne, Maik/Lütjen, Torben (2020): Parteien. In: Lammert, Christian et al. (Hrsg.) Handbuch Politik USA. S. 387-404; Wiesbaden: Springer VS. DOI: 10.1007/978-3-658-23845-2_17.

Weinmann, Philipp (2020): Wahlen. In: Lammert, Christian et al. (Hrsg.) Handbuch Politik USA. S. 405-422; Wiesbaden: Springer VS. DOI: 10.1007/978-3-658-23845-2_16.

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