• Valentin Zanon

Wahlkreise mit Kopf-an-Kopf-Rennen werden immer weniger

Die Polarisierung in den Vereinigten Staaten von Amerika nimmt immer deutlichere Formen an. Doch nicht mehr die sozioökonomische Konfliktlinie, welche die Bevölkerung in Arm und Reich trennt, prägt das Wahlverhalten am meisten. Seit Ende der 1960er wird das Land vor allem durch eine kulturelle Konfliktlinie gespalten. Die Demokratische Partei, die traditionell eigentlich vor allem die Partei der weißen Arbeiterschicht war, kann immer mehr Wahlerfolge in urbanen Gebieten, bei nicht weißen sowie bei höher gebildeten Menschen einfahren. Die Republikanische Partei hingegen schöpft immer mehr weiße Arbeiter ab, die sich von den Demokraten, sprich der kosmopolitischen, urbanen, liberalen Elite abgrenzen wollen – so weit zumindest die Wahlkampferzählung (vgl. Lütjen 2016, 100).


Als sich in der Wahlnacht 2020 immer mehr Wahlbezirke mit Farbe füllen, ist klar: Die meiste Fläche der Karte wird rot, mit einigen wenigen blauen Sprenkeln im Kernland und mehreren an den Küsten. Wie schon bei vorherigen Wahlen immer deutlicher absehbar war, gewinnen die Republikaner vor allem im sogenannten „heartland“, also den dünn besiedelten Gebieten im Landesinneren. In den Städten hingegen haben sie keine Chance, den Demokraten die Stirn zu bieten. Auch nicht in den Städten im Landesinneren. Das Stadt-Land-Gefälle ist wie in vielen europäischen Staaten auf der Wahlkarte eindeutig ablesbar.


Die ideologische Ausrichtung wird allerdings nicht nur auf dem Wahlzettel zum Ausdruck gebracht. Immer öfter wird auch die Wahl des Wohnortes zum Politikum. Durch inneramerikanische Migrationsprozesse sortieren sich die US-AmerikanerInnen sozusagen freiwillig in republikanisch beziehungsweise demokratisch geprägte Gebiete ein (vgl. Bohne et al. 2020, 395). Mittlerweile wohnt nur noch ungefähr ein Fünftel der amerikanischen Bevölkerung in Gebieten, in denen Trump und Biden bei der Präsidentschaftswahl nur 10 Prozent oder weniger voneinander trennten (vgl. MIT Election Lab 2020). Gleich und Gleich gesellt sich eben gern.





Literaturverzeichnis


Bohne, Maik/Lütjen, Torben (2020): Parteien. In: Lammert, Christian et al. (Hrsg.) Handbuch Politik USA. S. 387-404; Wiesbaden: Springer VS. DOI: 10.1007/978-3-658-23845-2_17.

Lütjen, Torben (2016): Partei der Extreme: Die Republikaner. Über die Implosion des amerikanischen Konservativismus. Bielefeld: transcript Verlag.

MIT Election Lab (2020): Edison Research/NYT, SZ.

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