• Christopher Zwölfer

US-UK Handelsabkommen keine Priorität mehr

Mit der Entscheidung Großbritanniens die Europäische Union und die Europäische Zollunion zu verlassen, wird auch das Abschließen neuer Handelsverträge notwendig, um so neue Handelsbarrieren abzubauen und Verluste durch das Verlassen des Europäischen Binnenmarktes zu reduzieren (vgl. Datta/Dhingra 2017, 195). Im Jahr 2019 beliefen sich die zwischen den USA und Großbritannien gehandelten Waren und Dienstleistungen auf eine Höhe von 273 Milliarden US-Dollar, wobei die USA Waren im Wert von rund 147,4 Milliarden US-Dollar exportierten und im Wert von 125,6 Milliarden US-Dollar importierten. Die mit dem Export beschäftigten Branchen schufen somit geschätzte 665.000 Stellen im Jahr 2015, wobei Gold, Flugzeug(teile), Öl und Maschinen zu den am meisten exportierten Produkten gehörten (vgl. USTR). Ein Handelsabkommen zwischen den beiden Ländern, welches seit dem Amtsantritt von Donald J. Trump und dem Brexit-Referendum von Großbritannien stetig verfolgt wurde (vgl. Wintour 2020), konnte aber von Rechts wegen erst mit dem Verlassen Großbritanniens der EU Anfang 2020 offiziell verhandelt werden. In der Zwischenzeit konnten jedoch allfällige Hürden besprochen und ein Rahmen für die späteren Verhandlungen erstellt werden (vgl. Hamilton 2017, 3).


Mit der Wahl Joe Bidens zum neuen US-Präsidenten ändern sich aber auch die außen- und handelspolitischen Prioritäten. In einem Interview mit der New York Times äußerte sich der President-elect, dass vorerst keine weiteren Handelsabkommen zwischen den USA und anderen Ländern abgeschlossen werden sollen und sich die USA stattdessen auf die Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit fokussieren wollen. Dies soll vor allem durch Investitionen in Forschung in den Bereichen Energie, Biotechnologie und künstliche Intelligenz und die bessere Ausbildung von Arbeitskräften geschehen. Das bedeutet, dass ein etwaiges Handelsabkommen zwischen den USA und Großbritannien vorerst keine Priorität mehr hat. Stattdessen suchen Biden und somit die USA globale Allianzen, um die eigenen Handelsziele durchzusetzen (vgl. Wintour 2020).




Literaturverzeichnis


Hamilton, D.S. (2017): Next Steps in the ‘Special Relationship’–Impact of a US-UK Free Trade Agreement. Testimony by Dr. Daniel S. Hamilton, US House of Representatives, Joint Hearing by the Subcommittee on Terrorism, Non-Proliferation and Trade Subcommittee on Europe, Eurasia and Emerging Threats of the Committee on Foreign Affairs., abgerufen am 10.12.2020 von https://archive.transatlanticrelations.org/wp-content/uploads/2017/02/HFAC-US-UK-testimony-Feb-1-2017-dh-final.pdf.

Office of the United States Trade Representative (o.J.): United Kingdom., abgerufen am 10.12.2020 von https://ustr.gov/countries-regions/europe-middle-east/europe/united-kingdom

Datta, N./Dhingra, S. (2017): What next for US-Europe trade policy?., In: VoxEU.org (Hg.): Economics and Policy in the Age of Trump. London: S. 193-205., abgerufen am 10.12.2020 von https://voxeu.org/system/files/epublication/AgeOfTrump.pdf.

Wintour,P. (2020): Joe Biden warning dashes UK hopes of early US trade deal., In: The Guardian am 02.12.2020, abgerufen am 10.12.2020 von https://www.theguardian.com/politics/2020/dec/02/uk-hopes-of-early-us-trade-deal-dashed-by-biden-warning.

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