• Sarah Rabong

US- Gotteshäuser geraten in Finanznöte

In den USA schreibt die Verfassung eine klare Trennung von Kirche und Staat vor. Da dieser Grundsatz aus der Verfassung abgeleitet wird hat der Supreme Court durch seine Richtersprüche eine wichtige Rolle dabei gespielt das Verhältnis zwischen Kirche und Staat in den USA zu gestalten. Klar ist aber, dass keine Steuern erhoben werden dürfen, um religiöse Institutionen zu finanzieren (vgl. Monsma/Soper 1977, S.15-17). Gotteshäuser in den USA werden daher aus anderen Quellen finanziert als etwa Kirchen in Österreich. Eine nur untergeordnete Rolle spielen dabei staatliche Unterstützungen für Zwecke, die im Allgemeininteresse liegen und die Erhebung von Gebühren, beispielsweise für Hochzeiten. Die weitaus wichtigsten Einnahmequellen sind Spenden, Fundraising-Kampagnen und Benefizveranstaltungen. Inoffiziell gibt es in den meisten christlichen Kirchen der USA eine Art „Mitgliedsbeitrag“, der allerdings nicht rechtlich durchsetzbar ist. Trotzdem wird den Gläubigen recht deutlich gesagt wie hoch dieser zu sein hat. Der Zehnte, also ein Zehntel des Einkommens soll, auf Basis der Interpretation einer bestimmten Bibelstelle, an die kirchliche Gemeinde abgegeben werden (vgl. Hammer 2012, S. 72-77).


Dies wurde im Jahr 2020 für die Gotteshäuser der USA zum Problem. Infolge der schweren wirtschaftlichen Krise, die auf die gesundheitliche Krise folgte, verloren viele Mitglieder religiöser Gemeinschaften ihr Einkommen. Daher haben sich auch die Spenden, die Gotteshäuser erhalten, drastisch reduziert. Viele Kirchen in armen oder kleinen Gemeinden waren auch vor der Pandemie finanziell nicht gut aufgestellt. Ein Drittel hat laut einer Studie aus dem Jahr 2018-2019 keine finanziellen Rücklagen. Zudem sind diese Kirchen auch schlecht digital ausgerüstet. Die wenigsten hatten vor der Pandemie ein Online-Spendesystem, sodass diese Infrastruktur erst aufgebaut werden musste. In armen Gemeinden ist es außerdem schwer für Kirchen ihre Mitglieder zu erreichen, da diese oftmals nur einen sehr eingeschränkten Internetzugang haben. Es wird daher geschätzt, dass einige Kirchen in diesen Gemeinden wegen ihrer schlechten Finanzlage zusperren werden müssen (vgl. Boorstein 2020).




Literaturverzeichnis

Boorstein, Michelle (2020): Church donations have plunged because of the coronavirus. Some churches won’t survive; In: The Washington Post, 24.04.2020. Aufgerufen am 29.12.2020 von https://www.washingtonpost.com/religion/2020/04/24/church-budgets-coronavirus-debt/

Hammer,Felix (2012): Kirchenfinanzierung in ausländischen Staaten, In:Dieter Birk, Dirk Ehlers (Hrsg.): Aktuelle Rechtsfragen der Kirchensteuer; Baden-Baden ,Nomos Verlagsgesellschaft ; Seite 65 – 84

Monsma, Stephen V./ Soper, J. Christopher (1997): The challenge of pluralism, church and state in five democracies; Lanham, Rowman & Littlefield

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