• Sarah Rabong

Spenden sollen in den USA gegen die Folgen der Wirtschaftskrise helfen

Die wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie haben viele US-Amerikaner und US-Amerikanerinnen in eine finanzielle und soziale Notlage gebracht. Gleichzeitig ist die Spendenbereitschaft sehr groß, in der Hoffnung die Armut damit zu verringern. Zwei Drittel aller Großspenden weltweit kamen im April aus den USA. Es sind vor allem die Schenkungen des reichsten Teils der Bevölkerung, von Unternehmen und Stiftungen, die dabei ins Gewicht fallen. Doch obwohl die lukrierten Summen einen neuen Rekord aufstellen, reicht das Geld nicht aus, um die Lage aller Bedürftigen in den USA zu verbessern. Während Wohltätigkeit und freiwilliges Engagement in den USA stark ausgeprägt sind, ist der Sozialstaat, in Relation zu vergleichbar wohlhabenden Ländern, schwach ausgeprägt (vgl. Darmiento 2020).


Oliver Zunz begründet dies damit, dass sich in den USA eine spezielle Art von Philanthropie herausgebildet hat. Während Wohltätigkeit lang als Geschenk und mitunter moralische Pflicht angesehen wurde, begannen US-Amerikaner und US-Amerikanerinnen Philanthropie als eine Form der Investition anzusehen, von der man letztendlich selbst profitiert. Beispielsweise indem ein Medikament für eine Krankheit gefunden wird oder Museen erhalten werden können, welche man selbst gerne besucht. Wohltätigkeit ist deswegen nicht ausschließlich den Reichen vorbehalten, sondern wird von einer breiteren Masse der Bevölkerung als selbstverständlich angesehen. Der Begriff der Investition ist auch insofern treffend, da diese Gelder auch in ähnlicher Weise verwaltet werden, wie dies in auf Profit ausgerichteten Firmen passieren würde. Das gleiche Prinzip gilt auch für sogenannten „Entwicklungshilfen“. Diese Investitionen sollen dazu führen eine stabilere und amerikafreundlichere Weltordnung zu etablieren, wovon die USA schlussendlich profitieren würde. US-amerikanische Regierungen sind daher durchaus bereit Wohltätigkeitsorganisationen direkt oder indirekt (beispielsweise durch Steuererleichterungen) zu unterstützen (vgl. Zunz 2011, S. 294-299). Diese Symbiose wird allerdings konfliktreicher, wenn Non-profit-Organisationen nicht nur Spenden verteilen, sondern sich auch für politische Ziele engagieren und Forderungen an Politiker und Politikerinnen stellen (vgl. Mook/Murdock/Gundersen 2020, S. 837).




Literaturverzeichnis


Darmiento, Laurence (2020): Charity is off the charts amid the coronavirus. Is that a sign of America’s strength or weakness?; In: Los Angeles Times, 20.04.2020. Aufgerufen am 25.12.2020 von https://www.latimes.com/business/story/2020-04-20/coronavirus-philanthropy-charitable-donations-inequality

Mook, Laurie/ Murdock, Alex/ Gundersen, Craig (2020): Food Banking and Food Insecurity in High-Income Countries; In: Voluntas 31, S. 833-840

Zunz, Oliver (2011): Philanthropy in America. A History; Princeton (USA), Princeton University Press

Recent Posts

See All

US-UK Handelsabkommen keine Priorität mehr

Mit der Entscheidung Großbritanniens die Europäische Union und die Europäische Zollunion zu verlassen, wird auch das Abschließen neuer Handelsverträge notwendig, um so neue Handelsbarrieren abzubauen

46 Milliarden US-Dollar für die Landwirtschaft

In den USA bekamen Landwirtschaft Betreibende im Jahr 2020 46,477 Milliarden US-Dollar an Hilfe von der Regierung zugesichert. Diese Wirtschaftshilfen sind im Vergleich zum Jahr 2019 um etwas mehr als