• Philipp Marteau

Präsidentschaftsvorwahl in den USA

Demokratische Wahlprozesse in den Vereinigten Staaten sind weitaus mehr auf die Stimmentscheidung für Einzelpersonen ausgerichtet als in Europa. Dass mehrere Kandidaten aus derselben Partei um die Gunst der WählerInnen ringen, mag hierzulande unüblich sein, in den USA jedoch entspricht es der politischen Tradition und wird von nicht wenigen BürgerInnen positiv angenommen, da sie den Eindruck haben, so einen größeren Einfluss auf die Auswahl der politischen Führung in Spitzenpositionen zu haben. Für die KandidatInnen bedeutet die Teilnahme an einer Präsidentschaftswahl demnach einen hohen Aufwand, einerseits an Einsatzkraft und andererseits an personellen und finanziellen Mitteln. Im Vorfeld der Vorwahl reisen sie in der Regel quer durchs Land und stellen sich in TV-Debatten oder auf Wahlkampfveranstaltungen den potentiellen Wähler/innen vor. Diesen obliegt es nun, bei einer Parteiversammlung für die Durchsetzung ihres Kandidaten bzw. ihrer Kandidatin zu stimmen. Zwei Arten von Vorwahlen werden dabei unterschieden: die „Primaries“ und die „Caucuses“. Bei den Primaries darf jeder wahlberechtigte Bürger eines Bundesstaates, welcher sich bei seiner Wahlregistrierung für eine bestimmte Partei entschieden hat, zur geheimen Wahl, in welcher ein bestimmter Kandidat gewählt werden kann, seine Stimme abgeben. Hierbei spricht man von sogenannten „closed primaries“. In manchen Staaten kommt es sogar zu „open primaries“, dies bedeutet, dass der/die wahlberechtigte BürgerIn nicht nur bei der im Vorfeld wahlregistrierten Partei seine/ihre Stimme abgeben darf, sondern auch bei der jeweils anderen Partei seine/ihre Stimme abgibt. Beide Varianten haben jedoch eines gemeinsam, es ist nicht nötig ordentliches Mitglied der Partei zu sein. Im Gegenzug dazu sind „Caucuses“ lokal stattfindende Parteinominierungsversammlungen, welche auf Bezirksebene im jeweiligen Bundesstaat, oft in Gemeindezentren oder Turnhallen, stattfinden. Hierbei können jedoch nur zur Wahl registrierte Mitglieder der jeweiligen Partei in einer offenen Abstimmung, beispielsweise per Handzeichen, ihre Stimme abgeben. Für das Abhalten einer solchen Parteinominierungsversammlung („caucuses“) gelten in jedem Bundesstaat unterschiedliche Regelungen, jedoch gibt es einen gemeinsamen Nenner bei allen Parteinominierungsversammlungen, dieser besagt, dass nur zur Wahl registrierte Mitglieder der jeweiligen Partei teilnehmen dürfen. Jeder Bundesstaat entsendet im Anschluss eine entsprechend festgelegte Anzahl an Delegierten zum Wahl- bzw. Nominierungsparteitag, hierbei ist vorgesehen, dass die Delegierten entsprechend dem Wahlergebnis in ihrem Bundesstaat abstimmen. Bei den diesjährigen Vorwahlen stellte die republikanische Partei den amtierenden 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump und seinen Vizepräsidenten Mike Pence als erneuten Kandidaten auf, während für den Parteitag der Demokraten mehrere Kandidaten ins Rennen gingen und schlussendlich Joe Biden als letzter Präsidentschaftskandidat übrigblieb.





Literaturverzeichnis


Isabelle Borucki (29.07.2020): Welche Rolle spielen die politischen Parteien im US-Wahlkampf? Und was sind die Vorwahlen? In: bpb (https://www.bpb.de/internationales/amerika/usa/313407/faq) abgerufen am 29.12.2020

Robert Märländer (25.06.2020): US-Vorwahlen: Die Kandidaten der Demokraten bei den Primaries 2020 (https://www.merkur.de/politik/praesidentschaftswahl-usa-vorwahlen-kandidaten-demokraten-primaries-caucusses-zr-12975968.html ) abgerufen am 29.12.2020

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