• Martin Rauter

Mehr US-Männer als US-Frauen sterben an Corona

Das Coronavirus fegte im Jahr 2020 über den Kontinent und tötete mehr Männer als Frauen.


Laut dem Center for Disease Control and Prevention starben in den USA mit Stand Oktober 2020 fast 17.000 mehr Männer als Frauen daran. (vgl. Guarino 2020) Papadopoulos, Li und Samplaski (2020, 1/4) untersuchten dieses Phänomen und bemerkten, dass sich SARS-CoV-2 an ein in hoher Konzentration im männlichen Hoden vorhandenes Enzym bindet. Außerdem reagieren bei Männern Killer-T-Zellen, die für das Erkennen und Töten von infizierten Zellen zuständig sind, schwächer als bei Frauen. Weiters haben Frauen dank Sexualhormonen und den 2-X-Chromosomen ein stärkeres Immunsystem. Am X-Chromosom sind mehr Gene an der Immunfunktion beteiligt. Zudem fand eine in Science veröffentlichte Studie Hinweise dafür, dass bei Männern mit schwerem Krankheitsverlauf eine Art molekulare Selbstsabotage stattfand. Dabei agieren Kämpfer des Immunsystems gegen die Abwehrkräfte des Körpers. Warum das so ist, bleibt ungewiss. (vgl. Bastard et al. 2020, 1) Da die Sterblichkeitsrate zw. den US-Bundesstaaten stark variiert, vermuten ForscherInnen indes, dass die männliche Übersterblichkeit primär durch Verhalten und soziale Faktoren erklärt werden muss. (vgl. Feldscher 2020) So sind Männer zum Beispiel aufgrund einer unverhältnismäßigen Arbeitskraft eher dem Virus ausgesetzt. Im Umkehrschluss zeigt ein Bericht (vgl. Adams 2020, 32), dass die Geschlechtsunterschiede bei den Sterbefällen sinken, wenn mehr Frauen an der Arbeitswelt beteiligt sind. Des Weiteren nehmen Frauen Gesundheitsrisiken generell ernster (vgl. Galasso et al. 2020, 27285) und gehen laut einer Umfrage aus Sorge um ihren Arbeitsplatz vorsichtiger mit der Krankheit um. (vgl. Brooks/Saad 2020, 3) Sie befolgen auch eher Ratschläge von ExpertInnen, wie etwa das Tragen einer Maske oder social distancing. (vgl. Okten et al. 2020, 9) Die Erkenntnis solcher geschlechtsspezifischen Unterschiede könnte ein Licht auf andere geschlechtsspezifische Unterschiede in der Gesundheit (Krebs, Asthma etc.) werfen. (Vgl. Guarino 2020) Zudem hilft es, diese Ergebnisse für eine effektivere Virusbekämpfung heranzuziehen. (vgl. Feldscher 2020)





Literaturverzeichnis:


Adams, B. Renee (2020). Gender Equality in Work and COVID-19 Deaths. ABFER, 16, 23-60. Abgerufen von http://dx.doi.org/10.2139/ssrn.3601651.


Brooks, D. Jordan & Saad, Lydia (2020). Double Whammy: Why the Underrepresentation of Women among Workplace and Political Decision Makers Matters in Pandemic Times. Politics & Gender, 1-13. doi:10.1017/S1743923X20000628.


Galasso, Vincenzo; Pons, Vincent; Profeta, Paola; Becher, Michael; Brouard, Sylvain & Foucault, Martial (2020). Gender differences in COVID-19 attitudes and behavior: Panel evidence from eight countries. PNAS, 117(44), 27285–27291. doi:10.1073/pnas.2012520117.


Guarino, Ben (2020). Why the coronavirus is killing more men than women; abgerufen am 9.12.2020 von https://www.washingtonpost.com/science/2020/10/17/coronavirus-men-immune-system/.


Feldscher, Karen (2020). More men than women are dying from COVID-19. Why?; abgerufen am 9.12.2020 von https://www.hsph.harvard.edu/news/features/more-men-than-women-are-dying-from-covid-19-why/.


Okten, O. Irmak; Gollwitzer, Anton & Oettingen, Gabriele (2020). Gender differences in preventing the spread of coronavirus. behavioral science and policy association, 1-14. Abgerufen von https://behavioralpolicy.org/articles/gender-differences-in-preventing-the-spread-of-coronavirus/.


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