• Martin Rauter

Mehr US-Männer übernehmen während Covid-19 häusliche Pflichten – schrumpfende Gender Gap


Trotz der Geschlechterungleichheit bei den Arbeitsplatzverlusten durch COVID-19, wovon 1.8-mal mehr Frauen als Männer betroffen sind (vgl. Madgavkar et al. 2020), gibt es in dieser Hinsicht auch eine positive Entwicklung: Die mit der Pandemie einhergegangene Telearbeit hat den Männeranteil an Kinderbetreuungen erhöht und die Geschlechtergleichstellung bei häuslichen Pflichten vorangetrieben. (vgl. Carli 2020, 651) Nach eigenen Angaben teilen sich amerikanische Paare familiäre Aufgaben seit dem Ausbruch von SARS-CoV-2 gleichmäßiger auf, dies wird auch „shecession“ genannt. Dass es überhaupt zu einer solchen Ungleichheit kommen konnte, liegt an der schlechteren Bezahlung, der Unsicherheit und dem fehlenden Sprungbrett zu Spitzenjobs bei flexibler Arbeit. Muss ein Partner Abstriche machen, dann meist der Weniger-Verdienende; das ist wahrscheinlicher die Frau. Zudem werden Wiederherstellungsmaßnahmen, wie die nach der Corona-Pandemie, überwiegend von Männern geleitet und Bedürfnisse der Frauen so zu wenig berücksichtigt. Eine Lösung dieses Problems ist also das Integrieren von Frauen im Entscheidungsbereich. Außerdem kann die Gleichstellung forciert werden, wenn männlichen Mitarbeitern flexiblere Arbeit angeboten wird und sie diese annehmen. ArbeitgeberInnen können helfen, indem sie ihre Leistungskriterien neu bewerten, MitarbeiterInnen nicht dafür kritisieren, dass sie außerhalb der Kernarbeitszeit arbeiten, oder Erwartungen klarer kommunizieren, um Druck von den Angestellten zu nehmen. (vgl. Ro 2020) Trotz katastrophalen Auswirkungen der COVID-19-Krise kann die gleichmäßigere Aufteilung der Kinderbetreuungspflichten zwischen Müttern und Vätern positiv bewertet werden und die Geschlechterkluft auf lange Sicht verringern. (vgl. Alon et al. 2020, 49) Außerdem passten sich die Werthaltungen bezüglich Geschlechterrollen unter Paaren an die gelebten Realitäten an. Von Arbeitslosigkeit betroffene Männer entwickelten so ein egalitäreres Rollenverständnis, während arbeitslos gewordene Frauen traditionellere Einstellungen übernahmen. (vgl. Reichelt et al. 2020, 14) Dass jedenfalls auf Besserung nach katastrophalen Krisenzeiten gehofft werden darf, zeigt der Zweite Weltkrieg, der an Grausamkeit zwar kaum zu übertreffen ist, jedoch die Normalisierung erwerbstätiger Frauen und eine Veränderung der Geschlechterrollen zur Folge hatte. (vgl. Ro 2020)




Literaturverzeichnis:


Alon, Titan; Doepke, Matthias; Olmstead-Rumsey, Jane & Tertilt, Michèle (2020). This Time It’s Different: The Role of Women’s Employment in a Pandemic Recession. Institute of Labor Economics IZA Discussion Paper No. 13562, 1-62. Abgerufen von http://ftp.iza.org/dp13562.pdf.


Carli, L. Linda (2020). Women, Gender equality and COVID-19. Gender in Management: An International Journal, 647-655. doi:10.1108/GM-07-2020-0236.


Madgavkar, Anu; White, Olivia; Krishnan, Mekala; Mahajan, Deepa & Azcue, Xavier (2020). COVID-19 and gender equality: Countering the regressive effects. McKinsey Global Institute. Abgerufen am 11.12.2020 von https://www.mckinsey.com/featured-insights/future-of-work/covid-19-and-gender-equality-countering-the-regressive-effects.


Reichelt, Malte; Makovi, Kinga & Sargsyan, Anahit (2020). The impact of COVID-19 on gender inequality in the labor market and gender-role attitudes. European Societies, 1-18. doi:10.1080/14616696.2020.1823010


Ro, Christine (2020). Why this recession disproportionately affects women. Abgerufen am 11.12.2020 von https://www.bbc.com/worklife/article/20201021-why-this-recession-disproportionately-affects-women |||



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