• Martin Rauter

Mehr US-Frauen als US-Männer am Arbeitsmarkt von Covid-19 betroffen – steigende Gender Gap


Jene Maßnahmen, die von der US-Regierung zur COVID-19-Eindämmung gesetzt werden, haben Auswirkungen auf Beschäftigungsverhältnisse von Millionen Menschen. Viele berufstätige Familien mussten durch die Bewegungseinschränkungen von zu Hause arbeiten (vgl. Yasenov 2020, 5), viele Unternehmen Konkurs anmelden, ArbeitnehmerInnen konnten weniger Stunden bzw. nur für einen Teil-Lohn arbeiten oder verloren ihren Arbeitsplatz ganz. (vgl. Adams-Prassl et al. 2020, 24) Neue Erkenntnisse zeigen, dass Frauen am Arbeitsmarkt von diesen Entwicklungen stärker betroffen sind als Männer, da sie eher von zu Hause arbeiteten, die Arbeitszeit reduzierten oder arbeitslos wurden. (vgl. Reichelt et al. 2020, 13) Weiters hatten Frauen durch beispielsweise Schulschließungen mehr Arbeitsunterbrechungen ob Kinderbetreuungspflichten oder anderer Verantwortlichkeiten. (vgl. Carli 2020, 648-649)


Eine Paneldatenanalyse ergab, dass aufgrund steigender Betreuungsaufgaben für Doppelverdiener-Eltern Mütter mit Kleinkindern ihre Arbeitszeiten vier- bis fünfmal stärker reduzieren mussten als Väter. Die geschlechtliche Arbeitszeitenkluft ist somit auf 20-50 Prozent geklettert. Fraglich bleibt, ob Heimarbeit noch mehr weibliche Arbeitsplatzverluste verhindert hat, ArbeitgeberInnen von Vätern einfach mehr Zeit verlangen oder Familien in Krisenzeiten zu traditionellen Geschlechterrollen bei Hausarbeiten zurückkehren. (vgl. Collins et al. 2020, 1/10) Die Internationale Arbeitsorganisation verweist auf Erfahrungen aus früheren Krisen, in denen bei knapp werdenden Arbeitsplätzen eher Frauen wirtschaftliche Chancen und Sicherheit verwehrt werden. (vgl. ILO 2020, 8) Zwar haben Frauen schon vor der Pandemie die meiste unbezahlte Arbeit geleistet, allerdings hat das Virus und dessen wirtschaftliche sowie soziale Folgen diese unausgeglichene Belastung zwischen den Geschlechtern dramatisch ansteigen lassen.


Es ist strittig, ob eine Verlangsamung bezahlter Ökonomie durch eine Epidemie nicht vorhersehbar sein konnte. Unbestritten und lange bekannt ist jedoch, dass Care-Arbeit seit geraumer Zeit nicht jener Stellenwert eingeräumt wird, den sie verdienen würde. Lösungsansätze gäbe es: Heterodoxe ÖkonomInnen präsentierten alternative Wirtschaftssysteme, die reproduktive und unbezahlte Care-Ökonomie stärker berücksichtigen bzw. wertschätzen, eine gerechtere Aufteilung häuslicher Arbeit ermöglichen und zugleich ökologische sowie wirtschaftliche Nachhaltigkeit fördern. (vgl. Power 2020, 67)








Literaturverzeichnis:


Adams-Prassl, Abi; Boneva, Teodora; Golin, Marta & Rauh, Christopher (2020). Inequality in the impact of the coronavirus shock: evidence from real time surveys. Institute of Labor Economics. Discussion Paper 13183. Abgerufen am 11.12.2020 von http://ftp.iza.org/dp13183.pdf.


Carli, L. Linda (2020). Women, Gender equality and COVID-19. Gender in Management: An International Journal, 647-655. doi:10.1108/GM-07-2020-0236.


Collins, Caitlyn; Landivar, C. Liana; Ruppaner, Leah; Scarborough, J. William (2020). COVID-19 and the gender gap in work hours. Gender Work Organisation, 1-12. doi:10.1111/gwao.12506.


International Labour Organization (2020). A gender-responsive employment recovery: Building back fairer. Abgerufen am 11.12.2020 von https://www.ilo.org/emppolicy/pubs/WCMS_751785/lang--en/index.htm.


Reichelt, Malte; Makovi, Kinga & Sargsyan, Anahit (2020). The impact of COVID-19 on gender inequality in the labor market and gender-role attitudes. European Societies, 1-18. doi:10.1080/14616696.2020.1823010.


Power, Kate (2020). The COVID-19 pandemic has increased the care burden of women and families. Sustainability: Science, Practice and Policy, 16(1), 67-73. doi:10.1080/15487733.2020.1776561.


Yasenov, I. Vasil (2020). Who Can Work from Home? Institute of Labor Economics. Discussion Paper No. 13197. Abgerufen am 11.12.2020 von https://ssrn.com/abstract=3590895

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