• Hajdár Máté

Große Trennung zwischen Aktienmarkt und Realwirtschaft in 2020


Der Aktienmarkt und die Realwirtschaft waren noch nie so weit voneinander entfernt, wie jetzt und der Aktienmarkt bewegt sich in der COVID-19-Pandemie immer weiter von der Realwirtschaft weg (vgl. Chen et al. 2020) Im Jahr 2020 stiegen der Preis für finanzielle Vermögenswerte und die Arbeitslosigkeit in beispiellose Höhen (vgl. Schlingemann/Schulz 2020, 1).


Die Marktkapitalisierung einzelner Unternehmen spiegelt immer weniger ihren Beitrag zum Arbeitsmarkt wider. Apple im Wert von 2,04 Billionen US-Dollar beschäftigt nur 137.000 MitarbeiterInnen, während Walmart im Wert von 410 Milliarden US-Dollar 2,2 Millionen MitarbeiterInnen beschäftigt. Der Marktwert von Unternehmen spiegelt somit immer weniger das Ausmaß wider, in dem sie zur Leistung des Arbeitsmarktes und damit der Realwirtschaft beitragen. Unternehmen, die nicht in der Fertigung tätig sind oder die Fertigung im Ausland auslagern, beschäftigen in den USA weniger Arbeitskräfte wie Apple. Basierend auf diesen Fakten ist Peter Cecchini der Ansicht, dass ein Großteil des Wachstums auf dem Arbeitsmarkt in Sektoren stattgefunden hat, in denen sie im traditionellen Sinne nicht innovativ sind (vgl. Scheid 2020).


Die Forschung ist auch aktuell, da der Aktienmarkt zwischen dem 19. Februar und dem 23. März um 34 Prozent gefallen ist, dann aber bis zum 2. September um fast 60 Prozent gestiegen ist. Am 19. Oktober lag der Aktienindex nur 3,4 Prozent unter dem höchsten jemals gemessenen Wert. Die Arbeitslosenquote stieg von 3,5 Prozent vor dem Virus auf 14,7 Prozent. Im September lag der Indikator noch bei 7,9 Prozent (vgl. Iacurci 2020). Der Grund dafür ist, dass die US-Wirtschaft zunehmend auf den Dienstleistungssektor angewiesen ist und die Dominanz des verarbeitenden Gewerbes im Laufe der Jahre zurückgegangen ist (vgl. Scheid 2020).


Früher war das verarbeitende Gewerbe der Haupttreiber des Arbeitsmarktes, aber seit 1973 ist der Anteil der Beschäftigten in diesem Sektor um 30,9 Prozent zurückgegangen. In einigen Dienstleistungssektoren hat sich die Zahl der ArbeitnehmerInnen inzwischen verdoppelt oder sogar verdreifacht (vgl. Scheid 2020).




Literaturverzeichnis

Chen,Andrew/Ibert,Markus/Vazquez-Grande,Francisco (2020): The Stock Market–Real Economy "Disconnect": A Closer Look;am 14.10.2020; abgerufen am 10.12.2020 von https://www.federalreserve.gov/econres/notes/feds-notes/the-stock-market-real-economy-disconnect-a-closer-look-20201014.htm

Iacurci,Greg (2020): The U.S. is in a recession but the stock market marches higher. Here’s why there’s a disconnect; abgerufen 10.12.2020 von https://www.cnbc.com/2020/06/03/understanding-the-huge-disconnect-between-the-stock-market-and-economy.html

Scheid,Brian (2020): Why the stock market no longer represents the US economy; abgerufen am 10.12.2020 von https://www.spglobal.com/marketintelligence/en/news-insights/latest-news-headlines/why-the-stock-market-no-longer-represents-the-us-economy-60805620

Schlingemann, Frederik P./Stulz, René M. (2020): Has the Stock market become less representative of the economy? Working Paper 27942; abgerufen am 10.12.2020 von https://www.nber.org/papers/w27942

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