• Sarah Rabong

Facebook wird wegen seiner Marktdominanz verklagt

Facebook und andere digitale Riesen wie Apple, Google und Amazon stehen schon länger im Fokus von Regulierungsbehörden in den USA, aber auch in Europa. Man sorgt sich wegen derer starken Marktmacht und praktischen Monopolstellung. Gegen Facebook gibt es jetzt Klagen von 48 US-Bundesstaaten (Stand Dezember 2020), die dem Konzern Wettbewerbsverzerrungen vorwerfen. Dabei geht es vor allem um die Käufe von Instagram und WhatsApp für 1 Milliarde und 19 Milliarden US-Dollar (vgl. Zeit Online 2020). Der Klage ist eine Anhörung vor dem US-Kongress vorausgegangen, der sich die vier Tech-Konzerne Google, Apple, Facebook und Amazon gemeinsam stellen mussten (vgl. Beutelsbacher 2020).


Seit längerem verfolgen Tech-Konzerne im Silicon Valley die Strategie kleinere Unternehmen und Start-Ups aufzukaufen. Das gibt ihnen die Möglichkeit Konkurrenz im Keim zu ersticken und das finanzielle Risiko von Innovationen auszulagern. Denn die Start-Ups werden natürlich nur gekauft, wenn sie den Nutzen und den Erfolg ihrer Technologie beweisen können. Anstatt also selbst in risikoreiche Forschung und Entwicklung zu investieren, konzentrieren sich etablierte Firmen ganz darauf ihre eigenen Produkte zu verbessern, also technischen Fortschritt, statt Innovation zu generieren. Auch die Strategien von Start-Ups verändern sich dadurch. Sie arbeiten eher daran einer großen Tech-Firma aufzufallen, als sich selbst der übermächtigen Konkurrenz zu stellen. Die mangelnde ernsthafte Konkurrenz kann sich aber auf Dauer auch als Bremse für Innovationen erweisen, wenn man davon ausgeht, dass diese vor allem durch Wettbewerbsdruck forciert werden. Zudem kann der Fokus von Start-Ups auf die Bedürfnisse der Großunternehmen dazu führen, dass Innovationen in gewissen Bereichen unattraktiv werden (vgl. Amemiya 2014, S. 191-192).


Trotz allem ist es fraglich, ob die Klagen gegen Facebook Erfolg haben werden. Vor allem weil die US-Wettbewerbsbehörde zum Kaufzeitpunkt den Übernahmen zugestimmt hat (vgl. Holzki/Hoppe 2020). Es ist unter anderem auch deswegen in nächster Zeit nicht davon auszugehen, dass Facebook, Apple, Google oder Amazon ihre marktbeherrschende Stellung in naher Zukunft verlieren werden (vgl. Moore/Tambini 2018, S.42-43).


Literaturverzeichnis


Beutelsbacher Stefan (2020): Will Google Muslime einsperren? -Die bizarre Anhörung der Tech-Chefs; In: Welt, 30.07.2020. Aufgerufen am 31.12.2020 von https://www.welt.de/wirtschaft/article212506887/Apple-Amazon-Google-Facebook-vor-US-Kongress-Die-bizarre-Anhoerung.html

Amemiya, Kanji (2014): What Makes the USA So Innovative?; Asia-Pacific Review, 21:2, S. 172-194

Holzki, Larissa/ Hoppe, Till (2020): Monopolvorwürfe. US-Klage gegen Facebook bestärkt die Regulierer in Europa; In: Handelsblatt, 10.12.2020. Aufgerufen am 31.12.2020 von https://www.handelsblatt.com/technik/it-internet/kartellverfahren-monopolvorwuerfe-us-klage-gegen-facebook-bestaerkt-die-regulierer-in-europa/26705762.html

Moore, Martin/ Tambini, Damian (2018): Digital dominance, the power of Google, Amazon, Facebook, and Apple; New York, Oxford University Press

Zeit Online (2020): 48 US-Bundesstaaten verklagen Facebook; In: Zeit Online, 9.12.2020. Aufgerufen am 31.12.2020 von https://www.zeit.de/digital/internet/2020-12/wettbewerb-internet-facebook-klage-usa-bundesstaaten-instagram-whatsapp

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