• Valentin Zanon

Fünf Bundesstaaten waren für die Präsidentschaft wahlentscheidend

Je nachdem welchen Umfrageinstituten man glauben möchte, war der Wahlausgang in einigen wenigen Bundesstaaten für das Rennen zwischen Joe Biden und Donald Trump ausschlaggebend. Eine Handvoll liest man dabei überall: Wisconsin, Michigan, Pennsylvania, Florida und Arizona. Am Ende entschieden die von dort entsendeten 86 Wahlleute.


Warum das so ist? In den USA gilt das Credo des Electoral College: Jeder der 50 Bundesstaaten hat eine gewisse Anzahl an Delegierten zur Verfügung, welche jeweils nach aktuellem Bevölkerungsstand gewichtet sind. Demnach sind beispielsweise dem bevölkerungsarmen Wyoming drei Wahlleute zugewiesen, dem dicht besiedelten Kalifornien 66. Trotzdem gibt es Kritik an der teils ungerechten Gewichtung: In Wyoming bestimmen knapp unter 200.000 Wahlstimmen über eine Delegierte, in Kalifornien hingegen sind es über 650.000. Kurz gesagt ist also eine Stimme in Wyoming dreimal so mächtig wie eine aus dem Golden State (vgl. Weinmann 2020, 415).


Wahlentscheidend waren jedoch weder Wyoming noch Kalifornien, da diese in den letzten Wahlen mit großer Mehrheit an die republikanische beziehungsweise die demokratische Partei gingen. Ausschlaggebend ist vor allem das in den allermeisten Staaten geltende „Winner takes all“-Prinzip. Demzufolge ist es de facto gleichgültig, ob ein Kandidat 90 Prozent der Stimmen in einem Staat hat oder 50,1 Prozent – er bekommt (fast) immer alle Wahlleute dieses Staates. Diese Verteilungsregel rückt insbesondere die sogenannten Swing States oder – etwas martialisch ausgedrückt – Battleground States ins Zentrum der Machtinteressen (vgl. Bugh 2016, 194). Dabei handelt es sich um Staaten, in denen erfahrungsgemäß aus früheren Wahlen und Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden großen Parteien zu erwarten ist. In den Swing States haben also beide Kandidaten eine Chance auf die volle Anzahl an Wahlleuten, egal wie knapp das Ergebnis auch sein mag. In Wisconsin beispielsweise brachte Joe Bidens hauchdünner Vorsprung von 20.000 Stimmen (Associated Press 2020) dem neu gewählten Präsidenten sämtliche dort zu vergebenden zehn Wahlleute ein. Dass dort auch 1,6 Millionen (Associated Press 2020) Trump-AnhängerInnen wählten, macht für den Wahlausgang keinen Unterschied.




Literaturverzeichnis


Associated Press (2020): Understanding the election. https://www.ap.org/media-center/understanding-the-election [30.12.2020].

Bugh, Gary (2016): Electoral College Reform: Challenges and Possibilities. Farnham: Taylor and Francis.

Weinmann, Philipp (2020): Wahlen. In: Lammert, Christian et al. (Hrsg.) Handbuch Politik USA. S. 405-422; Wiesbaden: Springer VS. DOI: 10.1007/978-3-658-23845-2_16.

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