• Sarah Rabong

Amazon ist Krisengewinnler- zahlt aber kaum Steuern in den USA

Amazon gehört zu den wenigen Unternehmen, denen die Corona-Krise nicht zu schaffen macht. 2020 konnte der Konzern hohe Gewinne erzielen, während andere Unternehmen ums wirtschaftliche Überleben kämpften. Trotz dieses Erfolges wird Amazon voraussichtlich, wie auch schon im Jahr 2019, kaum Steuern in den USA zu bezahlen haben. Im Jahr 2019 gab das Unternehmen 162 Millionen Dollar an den US-amerikanischen Fiskus ab. Bei Amazons Milliardengewinnen entspricht dies allerdings nur einem Steuersatz von gerade einmal 1,2 Prozent. In den Jahren 2017 und 2018 musste das Unternehmen überhaupt keine Steuern zahlen (vgl. Huddleston 2020).


Ermöglicht wurde dies unter anderem durch den von Trump 2017 verabschiedeten „Tax Cuts and Jobs Act“, welcher die Unternehmenssteuer von 35% auf 21% senkte. Außerdem gibt es zahlreiche Steuerbegünstigungen unter bestimmten Bedingungen. Durch den „Tax Cuts and Jobs Act“ wurde auch die Einkommenssteuer auf der höchsten Stufe auf 37% gesenkt, während es vormals 39,6% waren (vgl. Bryan 2017).


Besonders viel Geld hat Amazon durch Steuererleichterungen gespart, die gewährt werden, wenn Unternehmen ihre MitarbeiterInnen in Aktien vergüten. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Möglichkeit Investitionen in Sachanlagen rasch abschreiben zu können, was die Gewinne formal senkt und damit auch die Steuerlast. Außerdem hat das Unternehmen hohe Steuergutschriften bekommen. Vermutlich für Tätigkeiten im Bereich Forschung und Entwicklung (vgl. Wolverton 2019). Die Steuern für hohe Einkommen und Unternehmen wurden in einem Prozess, der in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts begann und bis heute andauert, immer weiter gesenkt. Dieser Entwicklung liegen verschiedene Faktoren zugrunde. Die Einstellung der US-Amerikaner und US-Amerikanerinnen zu diesem Thema hat sich verändert. Das Argument, dass die Reichen an den Kosten des Krieges beteiligt werden sollten, funktioniert heute aus offensichtlichen Gründen nicht mehr (vgl. Scheve/Stasavage 2016, S. 10 & 200).


Ein weiterer Faktor ist neben den Steuersenkungen auch, dass es tatsächlich schwieriger geworden ist Unternehmen effektiv zu besteuern. Das US-amerikanische Steuersystem begünstigte über Jahre hinweg Steueroptimierung durch das Verlegen des Firmensitzes ins Ausland. Eine andere beliebte Taktik zur legalen Steuervermeidung ist das Aufnehmen hoher Schulden, welche den zu versteuernden Gewinn schmälern (vgl. Clausing/Kleinbard/Matheson 2016, S.5).




Literaturverzeichnis


Bryan, Bob (2017): Republicans have a final deal on their tax bill- here’s what’s in it; In: Business Insider India, 13.12.2017. Aufgenommen am 4.1.2021 von https://www.businessinsider.in/republicans-have-a-final-deal-on-their-tax-bill-heres-whats-in-it/articleshow/62058671.cms

Clausing, Kimberly/ Kleinbard, Edward/ Matheson, Thornton (2016): U.S. corporate income tax reform and its spillovers; Washington DC, International Monetary Fund

Huddleston, Tom Jr. (2020): Amazon had to pay federal income taxes for the first time since 2016-here’s how much; CNBC, 4.2.2020. Aufgerufen am 4.1.2021 von https://www.cnbc.com/2020/02/04/amazon-had-to-pay-federal-income-taxes-for-the-first-time-since-2016.html

Scheve, Kenneth/Stasavage, David (2016): Taxing the rich; Princeton, Princeton University Press

Wolverton, Troy (2019): So schafft es Amazon, trotz seiner Milliarden-Gewinne völlig legal keine Steuern zu bezahlen; In: Business Insider, 12.08.2019.Aufgerufen am 4.1.2021 von https://www.businessinsider.de/wirtschaft/so-schafft-es-amazon-keine-steuern-zu-bezahlen-2019-8/

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