• Valentin Zanon

Allein 2020 wurden 6 Kabinettsmitglieder unter Trump ausgetauscht

Der 45. Präsident Donald J. Trump hat in seiner vierjährigen Amtszeit ganz klar für frischen Wind im Weißen Haus gesorgt. Als Politikquereinsteiger hat er von Anfang an keinen Hehl aus seiner Verachtung für die politische Elite Washingtons gemacht. Vielmehr spiegelt sich diese Abneigung für PolitikerInnen mit traditioneller Berufsbiographie bereits in der Erstfassung seines Kabinetts wider – einer Gruppe aus „Milliardäre[n], Funktionäre[n], Militärs mit Kampf- und Berufserfahrung“, wie Klaus Kamps es in seinem Buch „Commander-in-Tweet“ etwas überspitzt zusammenfasst (2020, 38).


Diese antielitäre Haltung entspringt der populistischen Strategie, mit der Trump im Wahlkampf 2016 vor allem sogenannte „GlobalisierungsverliererInnen“ für sich gewinnen wollte – was schlussendlich ja auch aufging (vgl. Hebenstreit 2018, 117). Ironischerweise könnte man allerdings vom Kabinett Trump, so wie es am 20. Januar 2017 einberufen wurde, wohl von dem Zusammenkommen der amerikanischen Elite schlechthin sprechen – zumindest in monetärer Hinsicht. Recherchen des Nachrichtenportals Quartz zufolge hatten die Kabinettsmitglieder zu diesem Zeitpunkt mehr Vermögen als das gesamte untere Drittel der US-amerikanischen Haushalte.


Doch nicht nur die Zusammensetzung der Regierungsmannschaft sticht heraus, sondern vor allem die Häufigkeit von (teils vehement erbetenen) Rücktritten, Entlassungen und kommissarischen Leitungen von Ministerien und Behörden. Allein im Jahr 2020 wurden 5 Posten neu besetzt, der Chefsessel der 17 US-amerikanischen Nachrichtendienste gleich zweimal. Die Kabinettsmitglieder, die 2020 ihren Posten abgaben, sind Mark Esper (Verteidigungsministerium), Mick Mulvaney (Stabschef des Weißen Hauses), Christopher Pilkerton (Mittelstandsbehörde) sowie Joseph Maguire und Mark Meadows (Nachrichtendienste). Bis zum Amtsantritt von Joe Biden im Rahmen der Inauguration am 20. Januar 2021 ist das Justizministerium von sechs verschiedenen Personen geführt worden. William Barr hat nach seinem Eingeständnis, dass es keine größeren Unstimmigkeiten bei der Präsidentschaftswahl 2020 gegeben habe, das Handtuch geworfen – nur knapp einen Monat vor dem Machtwechsel. Präsident Trump war anderer Meinung.




Literaturverzeichnis


Hebenstreit, Jörg (2018): Does Money Matter? Wahlkampffinanzierung und die US-Präsidentschaftswahlen 2016. In: Gellner, Winand/Oswald, Michael (Hrsg.): Die gespaltenen Staaten von Amerika. Die Wahl Donald Trumps und die Folgen für Politik und Gesellschaft; S.99-122; Wiesbaden: Springer VS. DOI: 10.1007/978-3-658-19923-4.

Kamps, Klaus (2020): Commander-in-Tweet: Donald Trump und Die Deformierte Präsidentschaft. Wiesbaden: Springer VS. DOI: 10.1007/978-3-658-30123-1.

Quartz (2016): Trump’s first 17 cabinet-level picks have more money than a third of American households combined. https://qz.com/862412/trumps-16-cabinet-level-picks-have-more-money-than-a-third-of-american-households-combined/. [15.12.2020].

Recent Posts

See All

United States Space Force

Die United States Space Force ist die Raumfahrtabteilung des US-Militärs und wurde am 19. Dezember 2019, von Trump’s Administration eingeleitet und im Kongress rechtmäßig eingerichtet (vgl. Fukazawa 2

Exodus von Silicon Valley in 2020

Silicon Valley in Kalifornien war der Mittelpunkt aller Tech-Unternehmen und Start-Ups. Jedoch scheinen jetzt viele große Tech-UnternehmerInnen sowie InvestorInnen in andere Orte wie Austin (Texas), M

Die aktive Minderheit an der Twitter-Spitze

92% aller Tweets werden von einer 10% Minderheit der Twitter-Accounts produziert und die meisten von ihnen sind Demokraten Während des Höhepunktes der Wahlkampagne 2020 wurde die Mehrheit der Tweets i