• Dominik Zickgraf

50% besitzen 1,9% des Vermögens in den USA

Im zweiten Quartal 2020 besaßen 50 Prozent der Bevölkerung in den USA nur 1,9 Prozent des gesamten Vermögens. Die obersten zehn Prozent hielten im Gegensatz dazu 69 Prozent des Gesamtvermögens, wobei das oberste Prozent davon 30,5 Prozent besaß. Verglichen mit der Entwicklung seit 1989 hat das oberste eine sieben Prozent hinzugewonnen während das untere 50 Prozent fast um die Hälfte weniger hat. Vermögen wird unter anderem an Werten wie Immobilien, Firmenanteilen, Fonds, Autos sowie Ersparnissen gemessen (vgl. Federal Reserve 2020).


Es gibt verschiedene Theorien zu den Ursachen der wachsenden Ungleichheit der Vermögenswerte in den USA. Die Globalisierung, Bildung und schwache Marktregulierungen werden als Verantwortliche genannt. Doch der ausschlaggebendste Faktor ist, wie sich die unterschiedlichen Anteile im Vermögen in ihrem Wert verändern. Das liegt daran, dass die Portfolios der Gruppen systematisch unterschiedlich aufgebaut sind. Während bei dem obersten einem Prozent Fond- und Unternehmensanteile dominieren, sind es bei den unteren 50 Prozent vor allem Immobilien, die den Hauptteil ihrer Vermögenswerte ausmachen (Ibid.). Diese Unterschiede lassen sich am Verhalten der Vermögen in unterschiedlichen Zeiten belegen. So erhöhen Aktienmarktbooms das Vermögensungleichgewicht während Immobilienbooms dieses verringert (vgl. Kuhn et al. 2020, 347-348).


Die Ungleichheit der Vermögenswerte hat unter anderem Folgen für die Demokratie. Laut einer Studie aus dem Jahr 2014, die sich damit befasst hat welche gesellschaftliche Gruppe den meisten Einfluss auf die Gesetzgebung hat, sind es vor allem mächtige Konzerne und die Interessen der Reichsten die sich durchsetzen. Wenn die Interessen sich gegenüberstehen, hat die Stimme des durchschnittlichen US-AmerikanerIn so gut wie kein Gewicht. Der demokratische Anspruch der USA wird damit untermauert (vgl. Gilens/Page 2014, 575-579). Wenn nun die Ungleichheit weiter wächst bleibt es abzuwarten, wie sich so ein System über die Zeit legitimieren kann.




Literaturverzeichnis


Federal Reserve (2020): Distribution of Household Wealth in the U.S. since 1989., abgerufen am 18.12.2020 von: https://www.federalreserve.gov/releases/z1/dataviz/dfa/distribute/chart/#range:1989.3,2020.2;quarter:123;series:Net%20worth;demographic:networth;population:all;units:shares.

Kuhn, M.; Schularick, M.; Steins, U. I. (2020): Income and Wealth Inequality in America, 1949–2016. In: The Journal of Political Economy, 128(9), S. 3469-3519.

Martin G.; Benjamin I. P. (2014): Testing Theories of American Politics: Elites, Interest Groups, and Average Citizens. In: Perspectives on Politics. 12 (3): S.564–581.


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