• Anna Ackermann

21 Prozent aller transsexuellen Frauen in den USA werden zumindest einmal im Leben eingesperrt.

Der Asylprozess für Transfrauen ist um einiges schwieriger und gefährlicher als für heterosexuelle Männer.


In den USA wird Sexualität nicht offiziell als Fluchtursache gezählt, was auch daran liegt, dass beispielsweise Homosexualität in einigen Staaten in den 90ern selbst noch verboten war. Allerdings lassen RichterInnen seit einem Präzedenzfall in den 90ern die Verfolgung der eigenen Homosexualität im Herkunftsland als Asylgrund zählen. Allerdings bedeutet dies, dass es die persönliche Entscheidung der RichterInnen ist (vgl. Llewellyn 2020, 101). Hierbei kann es bis über zwei Jahre dauern, bis eine Entscheidung getroffen wird. In dieser Zeit müssen sich die Asylbeantragenden in den USA aufhalten, aber besitzen keine Arbeitserlaubnis. Leider sind Transfrauen auch überdurchschnittlich oft physischen Angriffen ausgesetzt (vgl. Llewellyn 2020, 106f).


Weiters werden transsexuelle Frauen - also Menschen, die in einem männlichen Körper geboren wurden und nun eine Frau sind – in den USA überdurchschnittlich oft eingesperrt. So werden durchschnittlich 21 Prozent aller Transfrauen in den USA mindestens einmal in ihrem Leben eingesperrt, wobei dieser Anteil in der Gesamtbevölkerung bei unter 3 Prozent liegt. Eine erhöhte Belastung während der Gefangenschaft im Gegensatz zu nicht transsexuellen Menschen liegt darin, dass die Verhafteten in die Einrichtung konform mit ihrem Geburtsgeschlecht gebracht werden. Dieser Minderheit wird die Diskriminierung selbst in der Jugend nicht erspart: 36 Prozent aller transsexuellen Menschen in den USA müssen mindestens einmal die Schule aufgrund von Mobbing wechseln (vgl. White Hughto et al. 2019, 100f). Eine Studie hat ergeben, dass ein Schulabbruch, Prostitution und Obdachlosigkeit eindeutig Risikofaktoren sind, welche die Chance auf eine Verhaftung erhöhen (vgl. White Hughto et al. 2019, 103).


Somit wird deutlich, inwieweit die Sexualität in den USA zu erheblichen Diskriminierungen und Gefahren im eigenen Leben führen kann. Muss beispielsweise eine Transfrau im Zuge ihres langwierigen Asylprozesses in einschlägigen Berufen arbeiten, erhöht sie damit die Chance auf einen Gefängnisaufenthalt.

Literaturverzeichnis

Llewellyn, Cheryl (2020): Captive While Waiting to Be Free: Legal Violence and LGBTQ Asylum Applicant Experiences in the USA, in: Sexuality Research & Social Policy.

White Hughto, Jaclyn M. / Reisner Sari L. / Kershaw, Trace S. / Altice, Fredrick L. / Biello, Katie B. / Mimiaga, Matthew J. / Garofalo, Robert / Kuhns, Lisa M. / Pachankis, John E. (2019): A multisite, longitudinal study of risk factors for incarceration and impact on mental health and substance use among young transgender women in the USA, in: Journal of Public Health, 41, 1, 100-109.

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